Was ist Hochbegabung? Als „hochbegabt“ bezeichnet man Menschen, die einen Intelligenzquotienten (IQ) von 130 oder höher haben. Das sind etwa 2-3% der Bevölkerung. Hochbegabte haben das Potential, intellektuelle Höchstleistungen zu vollbringen. Doch um dieses Potential entfalten zu können, bedarf es einer entsprechenden Förderung in Elternhaus und Schule.
Hochbegabte Kinder fallen meist schon sehr früh durch eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit und Neugier auf. Sie lernen oft sehr früh Sprechen und interessieren sich früher als andere Kinder für Zahlen und Buchstaben, aber auch für komplexe Themenbereiche wie z.B. Naturwissenschaften, Politik oder Umweltschutz. Lesen und Rechnen bringen sie sich mitunter schon mit vier oder fünf Jahren selbst bei - die erste Klasse ist dann nicht selten eine große Enttäuschung. Hochbegabte Kinder lernen meist schneller und brauchen weniger Wiederholungen als normal begabte Kinder. Oft verfügen sie aber auch über andere Denkstrukturen, so dass sie Aufgaben „auf ihre Weise“ lösen. Bei Lehrern und Mitschülern stößt dies nicht selten auf Unverständnis. Unzufriedenheit und schlechte Noten sind die Folge, wenn Hochbegabung nicht erkannt wird und keine entsprechenden Fördermaßnahmen eingeleitet werden. Dauerhafte Unterforderung führt zu Motivationsverlust und zu einem allmählichen Versiegen der Hochbegabung. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, hochbegabte Kinder so früh wie möglich zu erkennen und zu fördern.
Was bringt ein IQ-Test?Der IQ-Test spielt in der Hochbegabten-Diagnostik eine große Rolle. Dabei ist von einem Kind ein differenziertes Bild nötig, um eine Hochbegabung feststellen zu können. Deshalb sollte ein Test immer von einem erfahrenen Tester (Psychologe, fortgebildeter Sonderschullehrer) durchgeführt werden. Eltern, die den Verdacht haben, dass ihr Kind hochbegabt sein könnte, sollten einen Test durchführen lassen, weil sie sonst immer nur vermuten können, ein solches Kind zu haben. Dies kann ein Irrtum mit fatalen Folgen sein: Nichthochbegabte Kinder können durch das Niveau und das Tempo eines Hochbegabten-Kurses unter einem hohen Druck stehen und früher oder später überfordert sein. Auf der anderen Seite sinkt das Kursniveau durch eine "Anpassung nach unten". Es kann leicht passieren, dass sich die hochbegabten Kinder an denkschwächere und -langsamere Kinder anpassen müssen, worunter sie schon in ihrem Schulalltag zu leiden haben. Damit verlieren sie die Lust und den Glauben an das Förderprojekt und das Ziel einer adäquaten Hochbegabten-Förderung läuft ins Leere.
Wie kann man Hochbegabte fördern? Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen der Hochbegabtenförderung: Enrichment (Anreicherung) umfasst alle zusätzlichen schulischen und außerschulischen Angebote, die dem großen Wissensdurst Hochbegabter Rechnung tragen. Über Binnendifferenzierung während des Unterrichts sowie in speziellen Förderprogrammen können Hochbegabten weiterführende Lerninhalte angeboten werden. Außerhalb des Unterrichts, also an Nachmittagen und Wochenenden, nehmen die Kinder und Jugendlichen gern zusätzliche Kursangebote wahr. Die Themen dürfen sich hier nicht mit dem Schulstoff überschneiden.
Akzeleration (Beschleunigung) umfasst alle Maßnahmen, die der höheren Lerngeschwindigkeit Hochbegabter gerecht werden. An Regelschulen beschränken sich die Möglichkeiten leider oft auf das Überspringen von Klassen. In speziellen Hochbegabtenklassen und -schulen ist ein schnelleres Lerntempo bei gleichzeitiger Vertiefung und damit oft eine optimale Förderung hochbegabter Kinder möglich. Deshalb fordern wir ein Hochbegabten-Internat für Schleswig-Holstein.
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